Prolog
Er hatte etwas zu viel getrunken. Vom
Rauchen einmal ganz abgesehen. Jegliches Zeitgefühl hat er verloren.
Er hat keine Ahnung, ob er zwei oder vierzehn Stunden geschlafen
hatte. Er weiß nicht, ob es morgens oder abends ist. Alles was er
hatte, waren Kopfschmerzen. Nicht nur ein einfaches Stechen, sondern
ein ständig zunehmendes Pochen in seinen Schläfen.
Er dreht seinen Kopf nach rechts und
besieht sich selbst im Spiegel. Er liegt in einem zerwühlten,
unsauberen Doppelbett.
Er ist 1,83 Meter groß, hat braune
Haare, grüne Augen, ein sportliches Aussehen und einen
Dreitagesbart. Bekleidet ist er mit einer dunkelblauen Shorts und dem
weißen, schlichten T-Shirt, das er schon gestern getragen hat.
Das wenige Licht, das durch die
zugezogenen Vorhänge dringt, zeigt ihn müde mit dennoch
willensstarken und ausgeprägten Gesichtszügen.
Er stellt sich vor, wie es wäre, nicht
zu wissen, wer er ist. Das scheint gar nicht so schwer. Er würde
einfach aufwachen und sein ganzes bisheriges Leben vergessen haben.
Wieder bei Null beginnen.
Langsam und schwerfällig richtet er
sich im Bett auf. Das Pochen in seinem Kopf wird stärker. Er kneift
die Augen zusammen und schiebt sich die Hände vors Gesicht. Einige
Sekunden verharrt er in völliger Stille. Er lauscht.
Schwaches Stimmengewirr aus dem
Nebenzimmer, entfernter Motorenlärm, aufdringliche Musik aus dem
Innenhof und … der Wind. Er kann sich an ein Gedicht erinnern, das
er einmal über den Wind geschrieben hat. Verdammt lang her. In einem
anderen Leben. Er kann oder will nicht mehr an diese Zeit denken.
Mit einem Ruck nimmt er die Hände vom
Gesicht und setzt sich an die Bettkante. Er atmet tief durch und
schmeckt die abgestandene Luft. Seine Kopfschmerzen werden zunehmend
schlimmer.
Vom Nachttisch nimmt er ein Päckchen
Aspirin und drückt sich vier Tabletten in die flache Hand.
Nichts da, um sie herunterzuspülen.
Als er aufstehen will, stößt er mit dem Fuß gegen eine Flasche.
Prüfend hebt er sie ans Licht. Tequilla. Keine große Marke, aber
gut genug. Er schluckt die vier Tabletten auf einmal und spült sie
mit der hellbraunen Flüssigkeit herunter.
Sein Blick fällt auf die nicht ganz
geschlossene Nachttisch-Schublade. Er fixiert sie richtiggehend.
Langsam und behäbig streckt er seine Hand danach aus. Zuerst um sie
zuzuschieben, nur um sie dann mit einem Ruck doch zu öffnen.
Die Lade ist tief und voller Schatten.
Er kann, aus seiner Position, nicht erkennen, was sich darin
befindet. Prüfend steckt er seine Hand hinein und wühlt scheinbar
wahllos herum. Plötzlich hält er inne. Er hat gefunden, wonach er
gesucht hat.
Als er seine Hand herauszieht,
umklammern seine Finger eine 45er Handfeuer-Waffe. Der Revolver ist
silbergrau und blank poliert. Das spärliche Licht reflektiert sich
auf seinem Lauf.
Prüfend hält er die Waffe in seiner
linken Hand. Schlagartig lässt er sie sinken.
Einige Minuten vergehen. Er sitzt
völlig regungslos, bis plötzlich ein Ruck durch seinen Körper
geht. Er steht auf, macht einige Schritte vorwärts und sieht zur
nicht ganz so weißen Zimmerdecke auf. Fast fragend.
Als er den Kopf senkt, hebt er
gleichzeitig die Linke in Kopfhöhe. Er richtet den Revolver auf
seine Schläfe und verschließt die Augen vor seinem Spiegelbild.
Er legt den Finger an den Abzug, nur um
dann inne zu halten.
Mit einem Seufzer lässt er die Waffe
sinken und öffnet die Augen.
Er atmet tief durch, geht zum
Nachttisch und legt die Waffe zurück.
Langsam, fast bedächtig schließt er
die Lade. Er wendet sich um und geht zum Fenster. Als er den Vorhang
beiseite schiebt, wird das Innere des Zimmers in gleißendes
Sonnenlicht getaucht. Er muss die Augen zusammenkneifen, um etwas zu
erkennen.
Die Tür zum Balkon ist nur angelehnt.
Er geht nach draußen um den Tag zu begrüßen.
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